Imkeralltag

Eigentlich wollte ich Hühner

15. November 2013

Uropa war Imker, Opa hatte einen großen Schrebergarten. Vielleicht rührte daher meine Stadtkind-Sehnsucht nach einem kleinen Haus mit großem Garten, mit Obst, Gemüse, Blumen, Tieren. Die einen erben Plattfüße, die anderen ihren Hang zur Natur.

Nachdem 2011 dieser Wunsch Wahrheit wurde – mit viel Schweiß und viel Verzicht – leben wir heute in unserem persönlichen kleinen Paradies. Und weil ich mich in einer Etagenwohnung immer auf Wellensittiche und Minischildkröten beschränken musste, reichte ein Kater nicht aus – mehr Tiere sollten her. Am liebsten witzige, puschelige Hühner, die Eier legten und mein Gemüse von Schnecken befreiten.
„Bloß nicht!“ warnte mein Vater, „Die machen alles kaputt!“ (Kaputt ist kein gutes Wort, wenn man gerade einen Garten angelegt hat.) „Die scharren überall und fressen das junge Grün. Nach einer Woche hast du keinen Rasen mehr!“ Das war überzeugend. Einen Käfig im Garten wollte ich nicht. Okay, also keine Hühner.

Dann vielleicht Bienen?

Bestäubung der Kirschbäume, Honig, Maja und Willi … klang doch nett. Aber, wie hielt man Bienen?
Imkerei, ein nebulöses Bild von alten Männern mit Schleier und viel Rauch, die sich über Weidenkörbe beugen, tauchte vor meinem inneren Auge auf. Kleine bunte Kisten, irgendwo am Wegesrand. Ging das auch einfach so? Im Garten?

Irgendwann begegnete ich einem alten Imker und fragte. Die mürrische, kurz angebundene Antwort schreckte mich ab. Die Bienen gingen mir trotzdem nicht aus dem Kopf. Jedoch so ganz allein …?

Ende November 2012 stand ich mit meinem Nachbarn quatschend am Zaun und hatte plötzlich eine Eingebung: „Werner“, sagte ich, „was hältst du von Bienen? Wäre das nicht eine gute Idee, so ein Bienenstock?“
„Stimmt“, sagte er, und fügte dann das immer noch Unglaubliche hinzu: „Wir bestellen in zwei Wochen welche.“
Was für ein irrer Zufall: Sie waren schon zu dritt – Werner, Lothar und Jürgen – hatten irgendwann gemeinsam die Idee entwickelt, alles vorbereitet, sich informiert und waren nun kurz davor, sich jeder ein „Anfängerset“ zu bestellen, bestehend aus einem Bienenvolk samt Kiste (genannt „Beute“), kleiner Grundausstattung und Einführungslehrgang.

Damit war für mich direkt alles klar: „Ich bin dabei!“
So schnell kann’s gehen.

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